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Die deutsche Wirtschaft ist trotz der Finanzkrise in Europa widerstandsfähig. Während viele Mitgliedsstaaten der Europäischen Union mit Problemen wie Arbeitslosigkeit und Haushaltsdefizit kämpfen, liegt Deutschlands Arbeitslosenquote noch bei etwa fünf Prozent. Doch das Land ist mit seinem wirtschaftlichen Erfolg innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums weitgehend allein. Einige europäische Staaten sind Deutschland gegenüber kritisch eingestellt. Sie empfinden eine gewisse „Arroganz“ Deutschlands. Hinter diesem Vorwurf steckt Angst über die mögliche Rückkehr eines aggressiven Deutschlands wie einst unter den Nazis.

Die Titelseite vom 3. August 2012 von Il Giornale, einer italienischen Zeitung, ist ein gutes Beispiel für eine solche Kritik. Das Papier veröffentlichte ein Bild von der deutschen Kanzlerin Angela Merkel mit erhobener rechter Hand und der Überschrift „Viertes Reich.“ Es sah so aus, als würde sie gerade einen Hitlergruß machen. Der Artikel kritisiert Deutschland für seine Dominanz in Europa. Es habe in der Währungsunion die Oberhand.

Die gleiche Art tiefer Besorgnis besteht auch innerhalb Deutschlands. Die deutsche Nachkriegsgesellschaft hat Patriotismus wegen der Erinnerungen an das nationalsozialistische Regime lange als ein Tabu-Thema betrachtet.

In der UEFA-Fußball-Europapokalmeisterschaft 2012 schaffte es Deutschland zum ersten Mal ins Halbfinale, seit es die Meisterschaft 1996 gewann. Als viele Fans mit deutschen Nationalflaggen in ihren Händen durch die Straßen zogen und ihre Freude zum Ausdruck brachten, störte dies einige öffentliche Medien. Die ZEIT, eine deutsche Wochenzeitung, bemerkte, dass solche Fans eine „gefährliche Liebe für Deutschland“ hätten. Ein Gefühl der Schuld über Deutschlands Vergangenheit hat die Führungspersönlichkeiten der Nachkriegszeit gezwungen, sich wiederholt zu entschuldigen. Eine symbolische Szene fand statt, als Bundeskanzler Willy Brandt während einer Gedenkfeier des Warschauer Gettos in Polen im Jahre 1969 auf dem Boden niederkniete, um sich für den Holocaust zu entschuldigen.

Bundespräsident Richard von Weizsäcker stellte in seiner Rede im Jahr 1985 ebenfalls fest, dass „wir alle, ob schuldig oder nicht, ob alt oder jung, uns der Vergangenheit stellen müssen. Wir alle sind von ihren Folgen betroffen und werden dafür haftbar gemacht“. Deutsche Kanzler oder Präsidenten haben benachbarte Länder fast jedes Jahr besucht, um sich für die Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu entschuldigen, die das Nazi-Regime begangen hat.

Ohne Zweifel war Hitlers ethnische Säuberung der Juden ein unerträglicher und abscheulicher Akt. Jedoch sollten Deutschlands Schuldgefühle hinsichtlich der eigenen Vergangenheit den aktuellen Patriotismus oder Nationalstolz nicht ersticken. Das deutsche Volk sollte sein historisches und kulturelles Erbe in Ehren halten.

Obwohl die Napoleonischen Kriege (1803 – 1815) ihre Heimat verwüsteten, strebten die Menschen in Deutschland die Vereinigung unter der Führung Preußens an. Deutschlands erfolgreiche Politik stärkte sein Militär und die Wirtschaft, und es wurde eine Schlüsselfigur der auswärtigen Beziehungen innerhalb Europas zur Zeit Otto von Bismarcks. Das fleißige deutsche Volk industrialisierte sich rasch und baute seine Nation zu einer Großmacht auf. Im kulturellen Bereich bereicherten die Deutschen die europäische Zivilisation mit herausragenden Philosophen und Künstlern wie Georg Wilhelm Friedrich Hegel und Johann Wolfgang von Goethe.

In seinem Buch „The Power of Religion to Defend the Nation“ (Die Macht der Religion, die Nation zu verteidigen) schrieb Meister Ryuho Okawa, Gründer und Vorsitzender der Gemeinschaft Happy Science, dass „die Geschichte eines jeden Landes natürlich eine helle und dunkle Seite hat. Wenn man den Kindern nur die dunklen Teile beibringt, und die hellen nicht, erhalten sie eine voreingenommene und falsche Erziehung.“

Die Wiederbelebung des deutschen Patriotismus ist eine internationale Angelegenheit, denn die Welt wartet auch auf ein starkes Deutschland. Düstere Haushaltsprobleme haben die USA zu tiefen Einschnitten ihres Verteidigungshaushalts gezwungen. US-Beamte wie Leon Panetta, der ehemalige US-Verteidigungsminister, versuchen, europäische NATO-Mitglieder davon zu überzeugen, ihre Verteidigungsausgaben nicht drastisch zu kürzen und einen eigenen Beitrag zur kollektiven Sicherheit zu leisten. Wenn das deutsche Volk keine zentrale Rolle in der europäischen Verteidigungsarchitektur einnimmt, könnte Europa durch das Machtvakuum, das durch den Niedergang der USA verursacht wird, mehr Instabilität erleiden und erhöhten Gefahren durch den islamischen Terrorismus ausgesetzt sein.

Eine ähnliche Situation zeigt sich derzeit in Asien. Da China gigantisch aufrüstet und Nordkorea sein eigenes Atomwaffenprogramm verfolgt, sollte Japan seine eigenen Verteidigungsfähigkeiten dringend ausbauen. Inmitten der neuesten militärischen Bedrohungen versucht Ministerpräsident Shinzo Abe, sich von Japans Nachkriegszeit einer „apologetischen Diplomatie“ abzuwenden. Er überlegt sogar, eine neue Haltung hinsichtlich der historischen Probleme mit Japans Nachbarn einzunehmen.

Ohne Patriotismus kann sich keine Nation verteidigen. Obwohl es aus China und Südkorea Kritik gegen Japan für seinen „Rechtsruck“ unter der Regierung Abe gab, haben viele asiatische Länder den japanischen Verteidigungsaufbau aus zwei wichtigen Gründen begrüßt.

Entweder fühlen sie sich ebenfalls von den Chinesen militärisch bedroht oder sie schätzen Japans Rolle in der Befreiung von den europäischen Kolonien in Asien während des Zweiten Weltkrieges.

Da Großbritannien und Frankreich 1989 gegen die deutsche Wiedervereinigung waren, betrachten diese Völker die Rückkehr eines starken Deutschlands möglicherweise misstrauisch. Auf der anderen Seite kann es gut sein, dass andere Länder Deutschlands robusten Beitrag zur regionalen und globalen Sicherheit Europas begrüßen. Deutschland sollte sich nicht mehr entschuldigen und nicht länger sein Selbstwertgefühl vernachlässigen. Das deutsche Volk sollte seine Ressourcen zum Wohle der Welt voll nutzen. Dies ist das wahre Konzept des Patriotismus.

In seinem Buch „The Mission of Education“ (Der Auftrag der Erziehung) sagte Meister Okawa, „Selbstreflexion über Ihre Vergangenheit ist eine Tugend. Aber wenn Sie dies übermäßig oder sogar in masochistischer Weise tun, werden Sie andere Menschen damit belasten. Eine Person, die sich selbst zu viel kritisiert, ist anstrengend, weil sie die Menschen um sich herum in ihre eigenen Probleme zieht. Daher ist es wichtig, ein ausgewogenes Selbstbild zu haben.“ Ministerpräsident Abe erklärte in Washington, dass „Japan wieder da ist.“ Jetzt ist Deutschland an der Reihe, seine starke Rückkehr und seinen potenziellen Beitrag für den Weltfrieden zu verkünden.