Christianity gegen Islam_Part 2

 

Associate Professor Osamu Miyata

Osamu Miyata
Außerordentlicher Professor
Fakultät für internationale Beziehungen, Universität von Shizuoka, Japan
Geboren 1955 in der Präfektur Yamanashi, schloss Professor Miyata sein Hauptfach Geschichte an der Keio-Universität – Aufbaustudium Literaturwissenschaften – ab, und er beendete seinen Master an der Graduiertenabteilung der Universität von Kalifornien, Los Angeles. Er spezialisierte sich auf islamische politische Geschichte und die internationale Politik. Er schrieb viele Bücher, darunter Gendai Isuramu no Choryu (die Trends des modernen Islam, herausgegeben von Shueisha Shinsho) und Isuramu ni Maketa Beikoku (wie Amerika gegen den Islam verliert, veröffentlicht von Asahi Shinsho).

Über den Versuch der USA, den Terror mit Krieg zu bekämpfen, und den großen Minderwertigkeitskomplex des Islams gegenüber dem Westen

Wie hat sich das Verhältnis zwischen dem Westen und der islamischen Welt seit dem 11. September 2001 entwickelt?

Das Verhältnis hat sich verschlechtert. Das lässt sich leicht belegen. Im Jahr 2000 gab es zum Beispiel 14 terroristische Anschläge in Pakistan. Danach stieg diese Zahl auf konstant 600 Attentate pro Jahr. Islamistische Extremisten verübten auch in europäischen Ländern, die Amerikas Krieg gegen den Terror unterstützt haben, Anschläge, so in Spanien und Großbritannien. Aufgrund strenger Kontrollen kam es seit 9/11 in den USA selbst zu keinem massiven Terrorakt mehr. Doch die weltweit gestiegenen Sicherheitsauflagen haben ihren Preis. Sie behindern nun weltweit Handel und Wandel. Selbst in Japan überprüft die Polizei in den Hochgeschwindigkeitszügen Shinkansen das Gepäck der Passagiere.

Warum hören die Islamisten nicht mit dem Terror auf?

Die Muslime nennen die islamische Welt auf Arabisch Dar al-Islam, was „Haus des Friedens“ bedeutet. Im Zuge des Kriegs gegen den Terror sind „Ungläubige“ in dieses „Haus“ eingedrungen. Schlimmer noch, sie nehmen bei ihren Operationen den Tod wehrloser Frauen und Kinder billigend in Kauf. Das erzeugt bei den Gläubigen starke Gefühle der Ablehnung. Die Terroristen wissen das zu nutzten. Teile der Bevölkerung unterstützen sie. Es fällt ihnen leicht, junge Männer für den Kampf zu rekrutieren.

Nach meinem Empfinden ist die Vorstellung, dass sich Terror mit Krieg bekämpfen lässt, merkwürdig. Es wäre sinnvoller, mit den Methoden der Polizei die Attentäter und ihre Hintermänner aufzuspüren, zu verhaften und vor Gericht zu stellen. So haben es die Briten bei den Anschlägen in ihrem Land gemacht. Amerikas Krieg dagegen zieht gewöhnliche Bürger in die Kämpfe hinein. Das verschlimmert die globale Situation.

Eine Gegenreaktion auf Amerikas Nahost-Politik

Die besondere Beziehung Amerikas zu Israel ist ein wichtiger Grund für den Hass der islamischen Welt auf die USA. Die Fortsetzung des jüdischen Siedlungsbaus im Westjordanland und die Beschlagnahme von palästinensischem Land und Vermögen durch Israel sind völkerrechtswidrig. Amerika kritisiert die Politik Israels jedoch kaum und stellt zudem Israels Atomwaffen-Arsenal nicht infrage. Dagegen lehnen die USA das iranische Atomwaffenprogramm klar ab. Die Muslime reagieren auf diese Doppelmoral unglaublich stark.

Die eigentliche Ursache des Palästina-Problems hat mit dem Alten Testament zu tun. Gott gab dem jüdischen Volk das Land Kanaan.

2012 erfuhr ich bei einem Besuch in Bangladesh von einer „Befreiungspartei“. Sie will die Zugehörigkeit Spaniens und Osteuropas zur islamischen Welt wieder herstellen, die es in der Vergangenheit einmal gegeben hat. Die Gruppe scheint tatsächlich junge Menschen für dieses Vorhaben gewinnen zu können. Wenn Menschen anfangen, solche Dinge ernsthaft zu verfolgen, gerät die Weltordnung völlig durcheinander. Das ist so, wie wenn China zu den Japanern sagen würde: „Gebt uns Okinawa zurück.“

Der Fehler, sich auf religiöse Ansichten zu berufen, um Gewalt anzuwenden

Gibt es im Islam Vorstellungen, vor denen sich der Westen fürchten muss?

Die islamische Lebensweise unterscheidet sich erheblich von der anderer religiöser Traditionen. Muslime beten zum Beispiel fünf Mal am Tag. Die Frauen verhüllen sich mit Kopftüchern oder Schals. Normalerweise passen sich Einwanderer an die Kultur des Gastlandes an. Bei den Muslimen gibt es dagegen viele, die ihre Kultur hartnäckig bewahren. Dadurch kommt es zu Reibereien.

Die meisten Menschen im Westen schockiert das Konzept des Heiligen Kriegs (des Dschihads) der islamistischen Extremisten mit seinen Attentaten und Selbstmordanschlägen. Menschen sollten Gewalttaten nicht mit religiösen Ansichten rechtfertigen. Religion dient dem Menschen dazu, Glück zu finden.

Muslime leiden unter Minderwertigkeitskomplexen und sind auf den Westen neidisch. Ich war in fast allen islamischen Ländern und sah die Armut dort. Obwohl inzwischen multinationale Konzerne in die islamische Welt gekommen sind und die wohlhabenderen Teile der Bevölkerung die amerikanische Kultur mit ihren Vorzügen genießen, hat sich die Lebenslage der Mehrheit nicht verbessert. Die Politiker sind sich dieses Aspekts kaum bewusst.

Was kann für die Verbesserung der Beziehungen zwischen beiden Seiten getan werden?

Die amerikanische Regierungspolitik wird sich aufgrund der proisraelischen Lobbyarbeit und der mächtigen rechtsgerichteten Christen-Organisationen kaum ändern. Daher wird der Konflikt des Westens mit der islamischen Welt weiter an Intensität zunehmen.

In dieser Situation sollte Japan im Rahmen seiner Möglichkeiten das Misstrauen zwischen beiden Seiten verringern. Gleichzeitig müssen wir aufpassen, nicht in den Konflikt hinein gezogen zu werden. Die islamische Welt hegt großen Respekt vor Japan, weil wir uns trotz der amerikanischen Atombombenabwürfe wirtschaftlich so gut entwickelt haben. Japan sollte daher sein Engagement in der Region ausweiten. Durch Technologietransfer und Bildungshilfe kann Japan einen Beitrag für Frieden und Entwicklung leisten.