Titelbild_Homosexuelle und Lesben

Das gemeinsame Anschneiden der Hochzeitstorte durch Braut und Bräutigam gilt als Höhepunkt einer japanischen Heiratszeremonie. Wird es demnächst normal sein, wenn zwei Frauen das Messer führen?

Religionen tun sich mit dieser Frage schwer. Das zeigt die Kontroverse, zu der es im November 2011 in Des Moines, der Hauptstadt des US-amerikanischen Bundesstaates Iowa, kam. Zwei Kundinnen hatten bei der Inhaberin einer Konditorei eine Hochzeitstorte in Auftrag gegeben. Als die Handwerkerin erkannte, dass es sich bei den Frauen nicht um zwei Schwestern, sondern um ein lesbisches Paar handelte, war sie schockiert. Nach Darstellung des örtlichen Fernsehsenders KCCI sagte sie zu den Frauen: „Ich bin gläubige Christin. Es tut mir leid, aber ich kann keinen Kuchen für Sie backen.“

Die Frauen verließen den Laden, ohne viel Aufheben zu machen. Sie gingen jedoch zum Sender KCCI. Dort erklärte eine der beiden Betroffenen: „Es war entwürdigend. Ich weiß, dass Jesus auch mich liebt. Ich wollte nur einen Kuchen bestellen.“ Das Paar stellte folgende Erklärung auf die KCCI-Website: „Wir wollen ein Bewusstsein für die Gleichstellung schaffen.“ Seit 2007 schützt ein Gesetz in Iowa die sexuelle Orientierung der Bürger. Bei Abfassung dieses Artikels hatte sich das Paar noch nicht entschieden, ob es eine Zivilrechtsbeschwerde gegen die Konditorei einreichen wird.

Unterdessen sind die E-Mail-Konten der Konditorei mit Hass-Mails überschwemmt worden. Die Konditorin sagt: „Ich werde wegen meiner Überzeugungen angegriffen.“ Selbst von Kollegen aus ihrer Branche müsse sie sich Kritik anhören. Es würde aber auch positive Reaktionen geben. Leute kauften nun gezielt bei ihr. „Diese Menschen sind stolz auf mich, weil ich für meine Überzeugungen eintrete,“ berichtet die Inhaberin.

Rechtfertigt gleichgeschlechtliche Liebe die Todesstrafe?

Die Konditorin beruft sich auf die Bibel. Dort heißt es im Buch Levitikus (20, 13) des Alten Testaments: „Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Gräueltat begangen; beide werden mit dem Tod bestraft; ihr Blut soll auf sie kommen.“ Jesus dagegen äußerte sich im Neuen Testament nicht zu diesem Thema. Trotzdem halten Christen die gleichgeschlechtliche Liebe traditionell für eine schwere Sünde.

Meister Ryuho Okawa, der Gründer der Happy Science Gruppe, bekam bei einer Frage-und-Antwort-Sitzung im Hauptquartier von Happy Science in Tokyo am 12. März 2008 folgende Frage gestellt. „Ich sah in Amerika viele gleichgeschlechtliche Paare. Wenn sich Happy Science dort weiter verbreitet, werden wohl auch Homosexuelle der Organisation beitreten. Was sollen wir machen, wenn solche Paare in unseren Tempeln heiraten wollen?

Des Meisters Worte

Der Punkt ist, ob Sie in den Himmel kommen, wenn Sie sterben

Ich habe die vergangenen Leben vieler Menschen gelesen und bin währenddessen auf eine Reihe von Beispielen gestoßen. Als ich zum Beispiel die vergangenen Leben von zwei Männern untersucht habe, bemerkte ich, dass einer ein Mann in einem früheren Leben war, aber der andere war weiblich und sie waren verheiratet. Jetzt sind sie zwei männliche Freunde. In einem früheren Leben fühlten sie sich als Mitglieder des jeweils anderen Geschlechts zueinander hingezogen und waren verheiratet, aber jetzt sind sie enge Freunde des gleichen Geschlechts. Ein Mann und eine Frau, die einander zu lieben und Kinder haben, das ist zugelassen und akzeptabel. Jedoch können in einem gewissen Sinne auch Männer einander lieben und Frauen können einander lieben. Sie wollen vielleicht keine Kinder haben, doch weil solche Paare Seelenverwandte sind, können sie nicht umhin, sich zueinander hingezogen zu fühlen. Der wichtigste Punkt bei der Bestimmung von richtig und falsch hinsichtlich der Lebensweise einer Person ist, ob sie in den Himmel oder in die Hölle kommen, wenn sie sterben. Unabhängig davon, ob es sich um ein heterosexuelles, homosexuelles oder lesbisches Paar handelt, kommt es darauf an, ob sie Utopia erschaffen, durch ihre Arbeit und Lebensweise, das ist der grundlegende Aspekt. Wir im Himmel entscheiden nicht für den Augenblick. Wir brauchen 100 Jahre, um das zu tun. Da es sich um eine Angelegenheit handelt, die um 1960 begann, wird es wohl 2060 sein, bis ich meine Entscheidung vom Himmel aus übergeben werde.

Die Frage ist sehr schwierig. Neue Erkenntnisse der Wissenschaft lassen die Homosexualität in einem anderen Licht erscheinen. Die Zeiten haben sich geändert. Einen anderen Menschen zu lieben, ist in jedem Fall eine gute Sache. Anderen Probleme zu bereiten oder sie zu schockieren, ist es dagegen nicht. Bitte überprüfen Sie, ob Sie Liebe von jemandem nehmen oder ob Sie Liebe geben. Das ist alles, was ich zum jetzigen Zeitpunkt sagen kann. (Ende der Zusammenfassung)

Schwule und Lesben sind ein Testfall für die Menschheit

Es hängt nun alles vom Verhalten der Homosexuellen ab. Kehren bis 2060 viele Schwule und Lesben in den Himmel zurück, wird Gott die gleichgeschlechtliche Liebe nicht länger als schlecht einstufen. Wenn dagegen gleichgeschlechtliche Liebe aus irgendeinem Grund eine Menge Kummer und emotionalen Aufruhr erzeugt und viele Menschen deswegen in der Hölle landen, sieht es für die Billigung gleichgeschlechtlicher Liebe düster aus.

Das Leben der Homosexuellen ist ein neuer Testfall für die Menschheit geworden. Ganz sicher ist, dass wir Schwule und Lesben nicht nach religiösen Prinzipien beurteilen dürfen, die aus vorwissenschaftlicher Zeit stammen. Das hieße, „neuen Wein in alte Schläuche“ zu füllen. Davor warnt Jesus in anderem Zusammenhang (Matthäus 9, 17).