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Das imperialistische Amerika spielt den Weltpolizist

F: Wann setzte der amerikanische Imperialismus ein?

A: Amerikaner würden sich nie als Imperialisten bezeichnen, weil die USA nie Kolonien hatten. Tatsächlich haben die Amerikaner aber eine neue Art des Imperialismus oder der globalen Unterdrückung geschaffen. Sie beruht auf einer unheilvollen Allianz von Militärstützpunkten und der Wall Street. Die USA treten als Weltpolizist auf.

Das begann möglicherweise mit der Monroe-Doktrin im Jahre 1823. Nachdem die USA unabhängig geworden waren, wollten sie Europa aus der Neuen Welt herausdrängen. Sie wollten freie Hand in Lateinamerika haben und drängten auf eine Öffnung der Märkte. Nach etwa einem Jahrhundert der Vorherrschaft fand der Text der Monroe-Doktrin Eingang in den Versailler Vertrag. So erlangte die Doktrin weltweite Gültigkeit.

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David Williams gehört zu den führenden Denkern Europas, die sich mit dem modernen Japan befassen. Er kam in Los Angeles zu Welt, studierte in Japan und an der Universität Kalifornien Los Angeles (UCLA). Viele Jahre lang schrieb er für den Meinungsteil der Los Angeles Times. Er lehrte in Oxford, wo er promoviert worden ist, sowie an den Universitäten Sheffield und Cardiff. In Japan lebte er insgesamt 25 Jahre. Zwölf Jahre davon arbeitete er als Redakteur der The Japan Times. Von ihm stammen die Bücher: „Darüber hinaus als Ende der Geschichte“, „Japan und die Feinde einer offenen politischen Wissenschaft“ und „Die Verteidigung von Japans Krieg im Pazifik“. Alle diese Werke sind beim Verlag Routledge erschienen.

Viele Länder verloren ihre Souveränität

Die Supermacht USA möchte über alles entscheiden. Um das zu erreichen, hat sie die Briten an die Kandare genommen. Deutsche und Japaner verloren ihre Unabhängigkeit. Alles soll sich der Washingtoner Führung und ihrer liberalen Weltordnung beugen. Kein Land soll die USA beeinflussen. Die Franzosen nennen das die amerikanische „Hybris“. Dagegen begehren das moderne China sowie Russland auf. Beide Staaten pochen auf ihren Status als eigenständige Kräfte. Washington akzeptiert das nicht.

 

Unabhängige Großregionen als Gegenentwurf zur amerikanischen Hegemonie

Einen Gegenentwurf zum amerikanischen Hegemonie-Modell hat die Kyotoer Schule entworfen. Sie spricht sich für autonome, historisch gewachsene Regionen aus, die unabhängig voneinander sind: darunter Ostasien, Westeuropa, Afrika und Lateinamerika. Dafür kämpften die Japaner 1941. Die USA zerschlugen alle Versuche, diese vernünftige Vision zu verwirklichen.

Die Japaner haben Angst vor der eigenen Souveränität

F: Was für Alternativen bietet das Modell der Kyotoer Schule?

A: Ich frage meine japanischen Freunde gewöhnlich: „Möchtest du Japans Eigenständigkeit?“ Dabei ist mir deutlich geworden, dass die meisten gebildeten Japaner meiner Generation nur eine vage Vorstellung von Eigenständigkeit haben. Angloamerikaner irritiert die Frage, weil Eigenständigkeit nicht zu unserem philosophischen Vokabular gehört. Gebildete Kontinentaleuropäer begreifen dagegen das Konzept sofort.

Die interessanteste Antwort, die ich von einem japanischen Freund erhielt, kam vom mittleren Angestellten einer Ölfirma. Er sagte: „Natürlich möchte ich Japans Eigenständigkeit, aber ich bin mir nicht sicher, ob Japan das jetzt will.“ Wenn Japan seine Angelegenheiten ohne die USA regelt, kostet das seinen Preis. Der Freund war sich nicht sicher, ob seine Landsleute den zahlen wollen.

Japan verlor mit seiner Kapitulation seine Unabhängigkeit

Ich halte die Antwort für aufschlussreich. In den 1990er Jahren habe ich mich für die japanische Eigenständigkeit ausgesprochen, was vielleicht naiv war. Meine Freunde reagierten jedenfalls sonderbar. Heute ist mir klar, dass der große Ostasienkrieg die Sache letztlich entschieden hat. Als die Japaner 1945 kapitulierten, verloren sie ihre Eigenständigkeit.

Die Wiederherstellung der Souveränität verlangt ein grundlegendes Umdenken. Der deutsche Philosoph Hegel, der mehr als alle anderen die Idee der Eigenständigkeit betont hat, fordert den unbedingten Kampf für dieses Ziel. Dieser Kampfwille fehlt den Japanern. Daher würden sie kurioserweise selbst dann nicht souverän, wenn die Amerikaner morgen das Land verließen.

Denken Sie an den Ersten Golfkrieg. Irak fiel in Kuwait ein, aber nicht einer aus dem Stab des japanischen Premierministers trat sofort seinen Dienst an. In Großbritannien oder Frankreich wäre ein solches Verhalten unvorstellbar.

In gewisser Hinsicht macht mich die Gelassenheit der Japaner neidisch. Aber diese Art von „Krisenmanagement“ hat das Land am Ende 13 Milliarden Dollar gekostet. Das Vorkriegsjapan wäre mit solch einer Herausforderung fertig geworden. Japan sollte sich wieder auf die Meiji-Restauration besinnen. Dass der japanische Staat sich schwer damit tut, Verantwortung zu übernehmen, ließ sich auch beim großen Hanshin-Erdbeben oder beim Fukushima-Vorfall beobachten.

Das Vorkriegsjapan hatte eine stärkere und fähigere Regierung

F: Japan ist nicht eigenständig?

A: Japan ist eigenständig, aber füllt diese Rolle kaum aus. Das Vorkriegsjapan hatte eine stärkere und fähigere Regierung, was sogar liberale Historiker so sehen. Das Vorkriegsjapan ist in vieler Hinsicht japanischer als das Nachkriegsjapan. Die Eigenständigkeit des Landes war klar, die Unabhängigkeit authentisch. Das Vorkriegsjapan war eine moderne Gesellschaft, aber unsicherer, weniger friedlich und ärmer als heute. Es bemühte sich jedoch immer, die eigenen Probleme selbst zu meistern.

Das imperiale Japan genoss Respekt. Viele Ostasiaten bewunderten Japans demonstrative Eigenständigkeit. Japan zeigte ihnen, dass auch in Asien Modernität und Unabhängigkeit möglich sind. Das ermutigte Patrioten in China, Korea und Vietnam in ihrem Kampf gegen westliche Kolonialmächte.

Das Beispiel Wales

Lassen Sie mich ein Beispiel aus Europa geben. Ich lebe heute in Wales, einer Nation mit drei Millionen Einwohnern. Das Land ist seit langer Zeit von England abhängig. Es erwirbt gerade mehr Autonomie und muss nun mühsam lernen, seine Angelegenheiten selbst zu regeln. Das Volk der Waliser muss den Mut entwickeln, Fehler zu machen und die notwendigen Lektionen daraus zu ziehen. Fehler dürfen nicht zum Aufschrei führen, „Oh London, bitte hilf uns!“ Wir können für unser Versagen auch nicht andere verantwortlich machen. Daher sollte Japan aufhören zu sagen: „Washington schütze uns!“

Problematische Allianz zwischen Japan und Deutschland

F: Worin lagen die Unterschiede zwischen Deutschland und Japan während der Zeit des großen Ostasienkriegs? Die beiden Länder waren damals verbündet. China schließt daraus, dass Japan seinerzeit ein faschistischer Staat gewesen ist.

A: Die Kyotoschule, Admiral Mitsumasa Yonai und seine Splittergruppe in der imperialen Marine lehnten die Allianz mit Deutschland und Italien ab. Sie konnten darin keinen strategischen Vorteil für Japan sehen. Die Allianz schwächte ihrer Ansicht nach Japan.

Die Befürworter der Allianz im Außenministerium, in der Armee und in anderen Kreisen der Marine erwiderten: „Die Allianz hat auf die USA einen abschreckenden Effekt und lässt sie vorsichtiger handeln.“

Die Befürworter irrten sich. Die Allianz stärkte die Entschlossenheit der USA, den Kampf gegen Japan zu führen. Kurioserweise glaubten die Allianz-Befürworter selbst nicht an deren vermeintliche Vorteile. So vertraute die Armee in ihrem strategischen Vorgehen gegenüber der Sowjetunion nicht auf die Hilfe Deutschlands, sondern nur auf die eigene Stärke.

Deutschland war in den frühen 1920er Jahren kein souveränes Land

Deutschland machte mit dem Friedensvertrag von Versailles Erfahrungen, die Japan 1945 bevorstanden. Deutschlands Kanäle und Flüsse wurden internationalisiert und von den Alliierten kontrolliert. Auf Okinawa ist das heute noch so.

Deutschland war nach dem Ersten Weltkrieg angeblich souverän, wurde tatsächlich aber durch finanzielle Abgaben an Frankreich und andere Staaten geschwächt. Die Alliierten schränkten Deutschlands Rechte ein. Dieses Konzept einer ausgehöhlten Souveränität ist von den Amerikanern unter Präsident Wilson mit Hilfe der Franzosen 1919/1920 umgesetzt worden. 25 Jahre später erlegten die Alliierten Japan Gleiches auf.

Die Spannungen zwischen Japan und den USA begannen mit dem russisch-japanischen Krieg

Der pazifische Krieg begann weder mit Pearl Harbor noch mit der Mandschurei. Die Wurzeln reichen bis zum russisch-japanischen Krieg zurück. Mit dem Vertrag von Versailles begann die Entwicklung der USA zu einer globalen Vormacht. Das japanische Imperium störte Amerika, weil es keine Rivalen tolerieren wollte.

 

Kriegsverbrechen“ sind eine amerikanische Erfindung

Die Deutschen waren das erste Volk, das wegen Kriegsverbrechen angeklagt wurde. Die Alliierten beschuldigten nach dem Ersten Weltkrieg den Kaiser, die Auseinandersetzungen begonnen zu haben. Er war der erste „Kriegsverbrecher“. Wilsons Rechtsanwälte forderten in Versailles die Verurteilung des deutschen Monarchen. Das war völlig neu im internationalen Recht. Die Europäer hielten die Idee für bizarr. London und Paris begnadigten daher nach einem Jahr den Kaiser, der im niederländischen Exil lebte.

Wilson hatte mit seinem Vorstoß jedoch eine liberale Revolution im Völkerrecht in Gang gesetzt. Die alten Regeln der Kriegsführung galten nicht mehr. Die Kriegsverbrecherprozesse in Nürnberg und Tokio waren das Ergebnis dieser Entwicklung. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs sichert das Völkerrecht liberaler Prägung die amerikanische Vormachtstellung weltweit.

Der deutsche Historiker Ernst Nolte will die Würde seines Landes wiederherstellen

Der deutsche Professor Ernst Nolte zählt zu den bekanntesten revisionistischen Historikern. Er ist auch in Japan bekannt. Professor Wagner arrangierte für mich einen Interviewtermin. So konnte ich Nolte für The Japan Times befragen.

Zur Vorbereitung des Gesprächs las ich die Hauptwerke des Professors. Ernst Nolte versucht zu zeigen, dass die Deutschen im Kern nicht teuflisch gewesen sind. Er fragt nach nichtdeutschen Ursprüngen für die Horrortaten im Dritten Reich. Aber hat es den Holocaust überhaupt gegeben? Das war die erste Frage, die ich Nolte stellte. Er antwortete: „Natürlich hat er stattgefunden, wie auch immer. Lassen Sie uns über andere Dinge sprechen.“

Nolte gestand ein: Was verkehrt war, war verkehrt. Dann sagte er: „Lassen Sie uns nach den Gründen schauen. Lassen Sie uns die näheren Details des Kriegs prüfen.“ Er nahm sich zurück, um dann zum Angriff überzugehen. Das zollt mir Respekt ab.

Andere hassen ihn deswegen. Zu mir sagte der Professor: „Sie werden Ihre eigene Art des Revisionismus finden.“ Das hat mich sehr ermutigt. Das Vorbild von Ernst Nolte gab auch den Ausschlag, warum ich jetzt hier mit dem Magazin The Liberty sprechen. „Vielleicht sind wir uneins, aber wir können uns über wichtige Dinge austauschen. Das ist eine gute Sache.“

Japan schützte hilfesuchende Juden

Einige der europäischen Juden, die auf ihrer Flucht vor dem Dritten Reich nach Japan gelangten, gingen später in die USA. Mache wurden berühmt. Ich interviewte einen von ihnen, der Mitglied im Kabinett von George Bush Senior geworden ist. Seine Familie hatte sich aus Russland retten können, weil ihnen Japan die Einreise erlaubte. Seine Haltung: „Wir waren überrascht und dankbar für die Hilfe. Wir hatten gedacht, dass die Japaner nicht für uns sind.“

Wahrheit und Aussöhnung

Die Militärgeschichte Ostasiens ist brutal gewesen. Städte wurden vernichtet, Zivilisten getötet, Schlachten bis zum bitteren Ende geschlagen, Gefangene umgebracht oder versklavt. Das Wissen um diese Vergangenheit hilft die Brutalität des zweiten chinesisch-japanischen Krieges (1937-1945) und der Endphase des darauf folgenden chinesischen Bürgerkriegs zu verstehen.

Menschen halten instinktiv Verbrechen für schlimmer, wenn diese von Ausländern begangen werden. So haben viele Chinesen kein Problem mit den Brutalitäten des Bürgerkrieges zwischen Maos Streitkräften und der nationalchinesischen KMT. Sie sind aber nicht bereit den Japanern gleiche Taten zu vergeben, zu denen es während des zweiten chinesisch-japanischen Kriegs kam.

Am Ende sind wir aber alle menschliche Wesen. Sicher waren die schonungslosen Gefechte auf dem asiatischen Kontinent zwischen 1937 und 1945 ein Horror. Beide Seiten taten unmenschliche Dinge. Die Japaner hatten die Oberhand und konnten deshalb mehr Böses tun.

Trotzdem müssen wir uns um Objektivität bemühen. Ein Opfer ist ein Opfer und ein Verbrechen ein Verbrechen. Wir müssen aufhören, Unterschiede zwischen den Tätern zu machen. Das ist der erste unverzichtbare Schritt für den Prozess von Wahrheit und Versöhnung.

Wir sollten beide Seiten zu Wort kommen lassen. Wir wollen nicht richten und verurteilen, sondern verstehen. Wir suchen nach einem historischen Kompromiss, der jedem gerecht wird. So können wir einen Schlussstrich unter die Vergangenheit ziehen. Dann vergiften die Erinnerungen nicht mehr unsere Zellen.

Im zweiten Schritt ehren wir die Toten auf allen Seiten. Wir errichten entsprechende Denkmale und richten Zeremonien aus. Wenn irgendwann eine wichtige japanische Person nach Nanjing gehen will, bitte schön! Wenn der amerikanische Präsident nach Hiroshima kommen möchte, lasst ihn kommen! Wir ehren die Toten und finden so einen Weg, uns von den Schatten der Vergangenheit zu befreien.

Das Tokioer Kriegsverbrechertribunal

F: Japaner stehen nach wie vor im Bann des Tokioer Kriegsverbrechertribunals. Wie sehen Sie es?

A: Der Schulunterricht in den USA ließ mich glauben, dass das Kriegsverbrechertribunal legitim und moralisch richtig war. Erst während meiner Zeit bei The Japan Times kamen mir Zweifel.

Jedes Jahr im August veröffentlichten wir, wie das auch andere japanische Zeitungen tun, Beiträge zu Ehren der Helden der Bombardements von Hiroshima und Nagasaki. Als wir einmal Menschen zu den Angriffen befragten, mahnte uns ein älterer Herr, den Horror konventioneller Bombardements auf japanische Städte nicht zu vergessen. Er erwähnte das große Brandbomben-Inferno in Tokio im März 1945.

Mit den Jahren wuchs mein Unbehagen. Bei der Lektüre von Carl Schmitt, einem Theoretiker der nationalen Souveränität und des Völkerrechts, wurde mir die Logik des Tokioer Kriegsverbrechertribunals klar. Vor dem Vertrag von Versailles war in Europa der Begriff des Kriegsverbrechens unbekannt.

F: Es gab dort keine Kriegsverbrechen?

A: Es gab dort kein juristisches Konzept für Kriegsverbrechen. Jeder Konflikt endete mit einer beidseitigen Amnestie für alle bösen Dinge, die während des Kriegs geschehen waren. Krieg galt als unmoralisch, aber nicht als verbrecherisch.

Geschockt vom Horror der Religionskriege hatten die Europäer die Philosophie des gerechten Kriegs aufgegeben. Niemand sollte mehr sagen: „Ich kämpfe in einem gerechten Krieg. Gott ist an meiner Seite!“ Europäische Juristen entwickelten in der Folge die Vorstellung des „gerechten Feindes“. In innereuropäischen Auseinandersetzungen wurde vom Militär verlangt, dass es den Gegner mit menschlicher Zurückhaltung behandelt.

Wilson warb für gerechte Kriege mit ungerechten Feinden

So gab es zwischen 1648 und 1918 keine „gerechten Kriege“ mehr. Das hatte auch damit zu tun, dass es nach der konfessionellen Spaltung des Christentums keine allgemein anerkannte religiöse Autorität mehr gab, die darüber hätte befinden können. Die Europäer sagen deshalb: „Krieg ist nicht moralisch, aber moralisch neutral. Wir fragen nicht, warum jemand Krieg führt. Wir hoffen, dass es zwingend notwendig ist.“
Der amerikanische Präsident Wilson führte in Versaille die Kreuzzugsmoral vom gerechten Krieg wieder ein. Er hoffte so, Weltfrieden herzustellen. Es gibt Gründe, warum die Europäer das akzeptierten. Eine Folge bestand darin, dass die Feinde der USA nun keine „gerechten Feinde“ mehr waren. Gegen die „ungerechten Feinde“ war der Einsatz jeden Mittels gerechtfertigt.
Der Pazifikkrieg war das erste Beispiel, wo die neue Anschauung zum Tragen kam. Die Amerikaner machten japanische Städte mit Brandbomben und Atomwaffen der Erdboden gleich. Wilsons konsequentester Erbe war Curtis LeMay. Er verfolgte die Strategie, die Feinde Amerikas zurück in die Steinzeit zu bomben.
Erfundene Gesetze machen Beamte zu Kriegsverbrechern
Die amerikanischen Politiker haben während und nach dem Pazifikkrieg das internationale Recht mit erstaunlicher Geschwindigkeit und Zielgenauigkeit nach ihren Vorstellungen umgestaltet. Nach dem Krieg nahmen sie das gesamte japanische Kabinett fest, weil es 1941 den Eintritt in den Krieg beschlossen hatte. Vor 1918 wäre das unmöglich gewesen.
Japan war ein souveränes Land. Den USA den Krieg zu erklären, war verrückt, aber nicht illegal. Warum konnten die Amerikaner Menschen inhaftieren für einen Gesetzesbruch, den es 1941 noch gar nicht gegeben hatte? Wie konnten Amerikaner Beamte inhaftieren? Den amerikanischen und britischen Juristen erschien das damals vernünftig. Wenn man jedoch als Historiker zurückblickt, so lassen sich diese erfundenen Gesetzestexte nicht als Recht und Gesetz qualifizieren.

Missbrauch legaler Verfahren

F: Kennen Sie Justice Pal? Er war der einzige indische Teilnehmer im Tokioer Kriegsverbrechertribunal. Ihn beunruhigte der Missbrauch legaler Verfahrensweisen und die Schwächung der Verteidigung.

A: Der französische Richter am Tokioer Tribunal hatte ebenfalls Bedenken. Er war vom europäischen Rechtsdenken geprägt, wonach nur dann ein Verbrechen vorliegt, wenn ein Gesetz verletzt wurde. In den USA war ein Prozess unvorstellbar, wo die Geschworenen, der Richter, der Staatsanwalt und die Ankläger alles dieselben Personen sind. Das Tribunal war juristischer Nonsens. Es fand trotzdem statt, um die globale Vorherrschaft der USA zu legitimieren. Damit gerieten wir auf die rutschige Bahn der Siegergerechtigkeit.

General Yamashita war kein Kriegsverbrecher

General Yamashita wurde wegen Vergewaltigung angeklagt, zu der es in Manila auf den Philippinen im Jahr 1945 gekommen sein soll. Zu diesem Zeitpunkt war die Disziplin der japanischen Armee dahin. Die Stadt befand sich im Chaos. Viele schreckliche Dinge geschahen.

General Yamashita wurde nach dem Krieg als Kriegsverbrecher vorgeführt, verurteilt und hingerichtet, obwohl er keiner war. Er hatte die Kontrolle über seine Armee verloren, aber nicht seinen Soldaten dem Befehl zu töten gegeben. Ich fragte Juristen nach dem Sinn. Sie sagten: „Heute können wir sagen, dass es möglicherweise keinen Sinn hatte.“

Menschen, die Japan grollten, erhoben beim Tokioer Tribunal falsche Anklagen

Als ich öffentlich das Tokioer Tribunal als üble Geschichte bezeichneten, tobten die Liberalen und die Pazifisten. Sie schimpften: „Du verteidigst Kriegsverbrecher.“ Ich antwortete: „Sie sind emotional. Historiker sehen sich der Neutralität verpflichtet.“

Zwischen Versailles und den Verträgen von San Francisco vergingen weniger als 30 Jahre. Was zwischen 1918 und 1946 geschah, prägte jedoch das Völkerecht der Nachkriegszeit. Die Entwicklung des internationalen Gerichtshofs und eine Revolution im internationalen Strafrecht folgten.

Damit sind wir heute konfrontiert. Möglicherweise müssen wir das Ergebnis akzeptieren. Vielleicht stellt es sich am Ende sogar als das richtige Konzept heraus. Als Historiker ist es meine Aufgabe, Ihnen die Fakten mitzuteilen. Bis heute grollen viele Menschen den Japanern wegen des Kriegs. Der Umgang mit solchen Personen ist schwer. Sie sagen: „Sie können das nicht beurteilen. Sie haben nicht gelitten.“ Ich meine dagegen, dass die Fakten Vorrang vor Emotionen haben müssen.

F: Das gibt uns Zeit zum Nachdenken. Wollen Sie das sagen?

A: Ja. Wir können dann ruhig über Japans Position im globalen Rechtssystem nachdenken. Das internationale Recht muss so sein, dass wir international wirklich miteinander leben und arbeiten können.

Japan muss seine Ansichten über den Frieden ändern, um eine geachtete Nation zu werden

F: Wir wollen Artikel 9 verbessern. Der Höchste Befehlshaber der alliierten Kräfte (GHQ) hat es aktuell angeregt. Wie sehen Sie das?

A: Artikel 9 leugnet die japanische Souveränität komplett. Vor 1919 wäre ein solcher Artikel in einer Verfassung undenkbar gewesen. Damals zählte das Recht, Krieg zu führen, zu den unverzichtbaren Bestandteilen nationaler Souveränität. Wenn ein Land auf dieses Recht verzichtet, verliert es seine Souveränität. Artikel 9 klingt plausibel, so lange Sie nicht nach der Eigenständigkeit des Landes fragen. Wenn Japan seine Souveränität zurückerlangen will, müssen Artikel 9 und die Präambel verschwinden.

Nach dem Krieg verlor die japanische Führungsschicht den Mut. Es gab viel Leid. Das Land war ruiniert. Sie dachten: „Es ist genug. Sollen sich doch andere darum kümmern.“ Zur Frage der Aufhebung von Artikel 9 sagen meine japanischen Klassenkameraden, meistens linke Pazifisten: „Seit 1945 ist kein japanischer Soldat mehr gefallen. Unsere Soldaten haben niemand umgebracht.“

Das stimmt. Japan genießt seit Jahrzehnten Frieden. Wenn man an die lange Geschichte der Samurai denkt, ist das ein Wunder. Man muss allerdings dazu sagen, dass für die Erhaltung des Friedens Menschen anderer Staaten gestorben sind. Die Japaner haben den Frieden nicht aus eigener Kraft geschaffen. Das ist nicht besonders ehrenhaft.

Wenn die Amerikaner eines Tages gehen und Nachbarländer Japan angreifen, wird das alle Moralansichten zu Artikel 9 beiseite fegen. Falls eine nordkoreanische Rakete heute Tokio treffen würde, müssten die USA für Japan eintreten. Anderenfalls ist Artikel 9 tot. Das habe ich bereits vor vielen Jahren in der Los Angeles Times geschrieben.

Nach meiner Meinung ist es für ein Land, das so bedeutend wie Japan ist, unmöglich, mit dem Artikel 9 zu leben. Die Japaner müssen lernen, ihre Angelegenheiten selbst zu regeln. Ich bin kein Japaner, aber so denke ich, wenn meine japanischen Freunde sagen: „Wir Japaner vermissen unsere Souveränität nicht.“

F: Ich hoffe, dass Ihre Meinung zur Mehrheitsmeinung der Japaner wird. Welche Ziele verfolgte General MacArthur nach dem Krieg? Angesichts des Koreakriegs sagte der General, dass Japan aus Sicherheitserwägungen in den Zweiten Weltkrieg eingetreten sei. Was denken die Amerikaner darüber?

Der Abwurf der Atombomben war unnötig

A: Das Smithsonian Institut Museum in Washington D.C., ein Luft- und Raumfahrtmuseum, plante eine Ausstellung zum 50. Jahrestages des Endes des Pazifikkrieges. Dort sollte ein Teil vom „Enola Gay“ gezeigt werden, also von dem Flugzeug B-29, das Hiroshima zerstörte. Die Aussteller wollten Fotos der Zerstörung zeigen und berühmte Amerikaner, wie MacArthur und Präsident Eisenhower, zitieren, um Zweifel über die Notwendigkeit der Atombombenabwürfe auszudrücken.

Daraufhin übten Veteranen-Gruppen Druck auf Politiker im Kongress aus. Historische Dokumente sollten nicht gezeigt werden. Die Vorbereitung der Ausstellung wurde daraufhin abgebrochen. Amerikanern blieb damit die Chance verwehrt, ihr Bild vom Krieg zu revidieren.

Verstehen Sie warum? Die Amerikaner schlugen aus ihrer Sicht eine moralische Schlacht. Sie kämpften einen guten und gerechten Krieg. Sie wollten von den Fakten nichts wissen. In Büchern, öffentlichen Diskussionen und im Fernsehen wird das Thema aufgrund dieser Empfindlichkeiten sehr vorsichtig behandelt.

Die Fakten über den Krieg stärkt auf beiden Seiten die Selbstachtung

Franzosen sprechen von amour-propre, was „Selbstachtung“ bedeutet. Sie haben sie. Ich habe sie, jedermann hat sie. Amerikas Selbstachtung wird jedoch durch die Fakten des Pazifikkriegs beleidigt. Amerikaner sollten darüber sprechen, was getan und was nicht getan wurde. Die USA, Japan, China, Korea und jedes andere Land muss die Fakten zur Kenntnis nehmen.

Ich habe mehrfach versucht, mehr Ausgewogenheit in die Diskussionen über den Pazifikkrieg zu bringen. Deshalb benutzte ich zur Beschreibung des amerikanischen Luftkriegs gegen japanische Städte den Ausdruck „Japanischer Holocaust“.

Ich zeigte einige Male ein zeitgenössisches Filmdokument. Dort ist zu sehen, wie japanische Häftlinge mehr als 1000 Meter über Neu-Guinea aus einem australischen Flugzeug geworfen werden. Sie sind so gezielt umgebracht worden.

Wenn der Film den Tatsachen entspricht, zeigt er ein Kriegsverbrechen. So fragte ich mein Publikum: „War dies ein Kriegsverbrechen? Sollten die beteiligten Australier verurteilt werden?“

Die Antworten waren aufschlussreich. Unsere Jungs“, so die verärgerten Zuschauer, „kämpften heroisch gegen die japanischen Aggressoren.“

Gesetzlich ist der Abwurf japanischer Gefangener aus einem Flugzeug nicht zu tolerieren. Gesetz ist Gesetz. Es gilt für alle. Wenn internationales Recht nicht für diesen Vorfall gilt, dann kann es nirgends angewandt werden. Wir können Gesetze nicht mal so, mal anders auslegen.

Die Menschen wollen nicht zur Kenntnis nehmen, dass Kriegsverbrechergesetze für beide Seiten gelten. Sie vermeiden so Unbehagen. Ihr Bild des Zweiten Weltkriegs hat sich zu einem Mythos verklärt. Dagegen kämpfen die revisionistischen Historiker. Wir werden gewinnen, weil die Wahrheit auf unserer Seite ist.

Historiker sollten beschreiben, was wirklich stattfand

In meinem Buch „Die Verteidigung von Japans Krieg im Pazifik“ schrieb ich: „Lasst uns lieber über die guten Dinge sprechen, die die Japaner machten, und nicht über die schlechten. Lasst uns über die schlechten Dinge sprechen, die Amerikaner machten, und nicht über die guten.“ Lasst uns fair sein. 60 Jahre nach Kriegsende könnte ein Kurswechsel stattfinden, dachte ich.

Das war 2004. Kürzlich las ich das Werk eines englischen Historikers. Herbert Butterfield beschäftigt sich in seinem 1930 erschienenen Band damit, wie Geschichtsbücher zu schreiben sind. Der Autor erläutert, dass Geschichtsschreibung nicht mit einseitiger Stellungnahme verwechselt werden darf. Der Historiker müsse objektiv und der Wahrheit verpflichtet sein. Er solle beschreiben, was wirklich stattfand.

Ausgleich ist der erste Schritt auf dem Weg zur Aussöhnung

Das erste Ziel, das wir mit der Wahrheit erreichen wollen, ist der Ausgleich. Amerikaner denken, dass die Japaner böse Dinge taten. Aber solche Sachen hat jede Seite gemacht. Das geschieht nun einmal in dem verrückten und schrecklichen Zustand, den wir „Krieg“ nennen.

Lasst uns die Fehler des Tokioer Tribunal überwinden. Wir brauchen Ausstellungen, die beide Seiten zu ihrem Recht kommen lassen. Die Japaner sollen ihre Sicht der Dinge schildern und die amerikanischen Veteranen ihre Geschichten erzählen, so unangenehm das auch immer ist. Sicher wird es Spannungen geben. Aber nur so können wir einen Ausgleich in unserem Verständnis des Pazifikkriegs erreichen.

Das zweite Ziel ist die Versöhnung. Dazu möchte ich ein Beispiel bringen. Als ich an der Universität Tokio studierte, hatte ich einen Zimmerkameraden. Er nahm mich mit nach Hokkaido, wo wir bei seiner Tante und seinem Onkel in Saporro wohnten. Wir schliefen oben in dem alten Holzhaus auf Futons. Draußen blies der Wind und plötzlich knarrten die Balken besorgniserregend.

Ich fragte meinen Klassenkameraden: „Was ist das?“ Er sagte: „Ich weiß es nicht.“ Er ging dann nach unten, um nachzuschauen. Mit einem breiten Lächeln auf den Lippen kam er zurück. „Das ist ein Kriegsschaden. Er stammt aus der Zeit, als dein Land diese Stadt bombardierte. Das war abscheulich.“ Er provozierte mich absichtlich und grinste, als er „dein Land“ sagte.

Ich habe über diese Szene oft nachgedacht. Der Student nahm mich in das Haus seiner Verwandten mit, obwohl es von meinen Landsleuten beschädigt worden war. Mir zeigte das, wie Wahrheit zur Versöhnung führen kann. Mein Zimmerkamerad verhielt sich mir gegenüber menschlich, obwohl die Geschehnisse der Vergangenheit schrecklich gewesen sein mussten.

Die Motive für das Bombardement Tokios

F: Sie haben den Abwurf von Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki und die anderen Bombenangriffe als „Japanischen Holocaust“ bezeichnete. Für Japaner ist dieser Ausdruck schockierend gewesen, weil unsere eigenen Historiker die Dimension dieser Taten nicht erkannt haben.

A: Meines Wissens war ich der erste Historiker, der die Terrorbombardements auf japanische Städte während des Pazifikkrieges als „japanischen Holocaust“ beschrieb. Die Größe des Verbrechens begann ich in den 1990er Jahren zu erkennen, als ich für The Japan Times arbeitete. Damals verfassten wir Artikel zum 50. Jahrestag von Hiroshima, Nagasaki und den anderen Tragödien. Mein damaliger Chef und Mentor hob immer den Horror der konventionellen Bombardements hervor. Er sagte grimmig: „Die Brandbomben auf Tokio waren schrecklich, aber heute spricht niemand mehr darüber.“

So begann ich, Zeitzeugen zu befragen. Alte Einwohner von Tokio erzählten mir, was sie über die Explosionen, das Feuer, die Schrei und die Härte des Todes wussten. Ich las Berichte von Überlebenden und Militärs. Dieser immense Horror war von unseren „guten Jungs“ mit den weißen Helmen unter der Zivilbevölkerung angerichtet worden. Sie hatten sich mit ihren wahllosen Bombardements in übelster Weise an Kindern, Müttern, Großeltern und Haustieren vergangen.

Ich sprach auf akademischen Konferenzen über meine Erkenntnisse. Ich fragte meine Kollegen: „Wissen Sie wie viele Zivilisten während dieser Angriffe starben? Wissen Sie, dass das Bombardieren von zivilen Zielen gegen das internationale Gesetz verstoßen hat?“ Ich stieß auf eisernes Schweigen.

Der japanische Holocaust

Damals dachte ich: „Wenn ihr diese Verbrechen weiter bestreitet und euch weigert, mit mir zu diskutieren, so werde ich euch zum Hören bringen.“ Auf den Begriff Holocaust kam ich, als ein angepasster Historiker zu mir sagte: „Die Japaner haben das selbst veranstaltet.“ Das erinnerte mich an die Antisemiten, die sagen: „Die Juden haben den Holocaust selbst inszeniert.“

Warum mussten Tausende von Menschen sterben? Ein Vortrag von Carl Schmitt und Bruno Teschke half mir, das Motiv der Massenmorde zu verstehen. Die Brandbombenangriffe auf Tokio vom 9. und 10. März 1945 bildeten einen zentralen Teil von dem, was ich in meinem neuen Buch „Die Philosophie des japanischen Kriegszeitenwiderstandes“ als „liberalen Krieg der Vernichtung“ bezeichne.

Der Pazifikkrieg als ein liberaler Krieg der Vernichtung

Die USA wollten Japan derart vernichtend treffen, dass es den Menschen nur noch um ein bedingungsloses Überleben ging. Damit hatte Amerika freie Hand. Die USA konnten Japan besetzen und das Land zu einem willfährigen, demütigten Vasallen machen.

Die Terrorbombardements waren also kein Unfall, sondern Teil der Strategie. Es ging darum, Japan moralisch, politisch und militärisch zu zerbrechen. Anders lässt sich der Flächenbrand in den Arbeitervierteln Tokio-Kiba und Asakusa nicht deuten. Die B-29-Bomber warfen 1665 Tonnen Brandsätze auf eine Stadt, die aus Papier und Holz gebaut war!

Der Begriff Holocaust ist allerdings in einem Punkt missverständlich. Hitler wollte jeden Juden töten. Die Amerikaner zerstörten dagegen eine japanische Stadt nach der anderen, um Japan unter liberale Kontrolle zu bekommen. Die USA töteten also nicht, um alle Japaner auszulöschen, sondern um sie politisch zu vernichten.

Der Krieg als Naturkatastrophe

Vor 1945 verstanden die Menschen die Schrecken des Krieges als eine Art Naturkatastrophe, vergleichbar etwa mit dem großen Erdbeben in der Provinz Kanto. Die Überlebenden sagten: „Ich verlor meine Kinder. Ich will sie nie vergessen, aber es war so.“ Sie fragten nicht nach Fairness oder Moral. Ein Erdbeben ist ein Erdbeben.

So nahm die japanische Bevölkerung auch die Städtebombardierungen hin. Sie sahen die Einsätze der B-29 Bomber nicht als ein Verbrechen. Bei Hiroshima und Nagasaki, wo die radioaktive Strahlung für einen schleichenden Tod sorgte, sah das schon ein bisschen anders aus. Insgesamt aber hat Ostasien die Tragödie des Kriegs wie eine Naturkatastrophe hingenommen. Anfangs gab es keine Anklagen, keine Scham. Dass sich das änderte, hat mit den Alliierten zu tun. Sie brachten Asien dazu, den Krieg moralisch zu betrachten.

Japan befindet sich in einem Kokon

Mit dem Ende des Krieges haben sich die Japaner in einem Kokon eingesponnen. Er wird eines Tages aufreißen. Dann kommen die Japaner in neuer Gestalt heraus. Möglicherweise passiert es jetzt. Vielleicht dauert es aber noch ein Weile. Den genauen Zeitpunkt kenne ich nicht, aber er wird eintreten.

Die japanischen Inseln waren die gesamte Geschichte hindurch immer selbständig. Die Japaner haben ihre eigene Kultur geschaffen und sind ihren eigenen Weg gegangen. Die Japaner werden zu dieser Kultur zurückkehren. Dann wird Japan ein anderes Land sein.

F: In seiner Autobiographie kritisiert der amerikanische Präsident Hoover die Gründe, die Präsident Roosevelt für den Eintritt in den Krieg anführte. Was aber sind die eigentlichen Motive? Was bedeutet es, wenn die USA weltweit Demokratie einführen wollen?

A: Die amerikanische Politik Anfang der 1940er Jahre ist ähnlich schwer zu verstehen wie die japanische. Roosevelt war ein verschlossener Mensch, der kaum mit anderen sprach. Es ist schwer nachzuvollziehen, was in ihm vorging und welche Absichten er verfolgte. Darunter litten selbst die Mitglieder seines Kabinetts. Ich bin mir aber sicher, dass sich Roosevelt an Wilsons Vorstellungen orientierte.

Wilson meinte, dass zur Beendigung eines militärischen Konflikts ein „Endsieg“ notwendig sei. Es müsse ein internationales System geschaffen werden, dass den Frieden dauerhaft sichere. Zwischen Wilson und Roosevelt dominierten in den USA die Isolationisten.

Plan Orange bestand seit 1908

Die Amerikaner waren mit dem Ergebnis des Ersten Weltkriegs unzufrieden. Sie hatten viele Opfer gebracht und mussten nun schmutzige Kompromisse mit europäischen Ländern machen. Viele Amerikaner hatten genug von der Weltpolitik. Die Isolationisten wollten in Zukunft keinen Krieg mehr. In den 1920er und 1930er Jahren herrschte unter ihnen eine ähnliche pazifistische Stimmung wie in Japan nach 1945.

Schlüsselfiguren der amerikanischen Elite hielten den isolationistischen Pazifismus für einen Irrweg. Die Marineführung und die internationalen Anwälte legten das Fundament für die amerikanische Vorherrschaft. Sie verfolgten ihre Ambitionen kompromisslos.

Die Marineplaner wollten sicher gehen, das Amerika jeden Krieg mit Japan gewinnen kann. Die Entwicklung der Strategie, die sie dann während des Pazifikkriegs umsetzten, reichte bis ins Jahr 1908 zurück. Nach dem Sieg Japans über Russland war der Plan Orange formuliert worden.

Es ist wichtig, festzuhalten, dass die liberalen Kriegsplaner und pazifistischen Isolationisten am Ende das gleiche Ziel hatten. Die USA sollten eine unanfechtbare Supermacht werden. Nur die Mittel unterschieden sich.

Roosevelt wollte die Amerikaner zu den Herren der Welt machen

Roosevelt registrierte aufmerksam die deutsche Bedrohung. Er achtete aber darauf, dass die Europäer ihre Kräfte im Kampf gegeneinander erschöpften. Die Briten stützte er nur so stark, dass sie nicht kapitulierten. Nur ein erschöpftes und bankrottes Großbritannien würde ein brauchbares Nachkriegsbritannien werden. Roosevelt hielt die USA für das beste Land der Welt. Die Amerikaner sollten über den Planeten herrschen. Damit die USA ihre Kräfte nicht vorzeitig erschöpften, trat er erst im letztmöglichen Moment in den Krieg ein. Orthodoxe Historiker tun sich schwer, das anzuerkennen.

Die USA zwangen Japan zum Kriegseintritt

Roosevelt schob die Japaner geschickt an den Rand. Washington akzeptierte nichts, was Japans nationale Sicherheit oder seinen Großmachtstatus sicherte. Auch der Krieg in China passte in Roosevelts Konzept, weil nur ein erschöpftes und bankrottes China ein brauchbares Nachkriegschina wäre.

Als die Japaner faktisch die Kontrolle über Französisch-Indochina übernahmen, inszenierte Washington ein Öl- und Stahlembargo gegen Japan. Es war nicht wirklich tragfähig, aber versetzte die japanischen Marinekrieg-Planer in Panik. Das amerikanische Außenministerium forderte in der Hull-Erklärung Japans Rückzug aus Indochina, der Mandschurei und China.

Tojo erschrak beim Lesen der Erklärung. Sie ist geprägt von Geist der Monroedoktrin und Wilsons Vision einer liberalen Weltordnung unter amerikanischer Vorherrschaft. Mit der Hull-Erklärung machten sich die USA zum Schiedsrichter im Westpazifik. Washington maßt sich an, zu bestimmen, welches Territorium Japan bekommt oder verliert.

Mit der Hull-Erklärung war der erste Schritt auf dem Weg getan, der zum Verlust von Japans Souveränität und Großmachtprivilegien führte. Roosevelt war ein brillanter Stratege, der alle Karten in der Hand hielt. Japans einzige Möglichkeit, eine gewaltsame Zerstörung des Reichs zu verhindern, wäre die Kapitulation gewesen. Tojo lehnte das als Mann der Ehre ab. Das Reich war jedoch in jedem Fall verloren. Die USA griffen zu, als die Situation reif war.

Die neue amerikanische Weltordnung

F: Wurde Japan zu einer Kolonie?

A: Japan wurde ein willfähriger und wohlhabender Vasalleder amerikanischen Weltordnung. Amerika beschützt sein Protektorat Japan und Japan macht, was ihm Amerika sagt. Als Protektorat hat Japan in internationalen Angelegenheiten eine gewisse Entscheidungsfreiheit, die eine Kolonie nicht hätte. Anders als in einer Kolonie können die Bewohner eines Protektorats mit der Illusion leben, sie seien frei.

F: Es sind viele Jahre seit Kriegsende vergangen.

A: Es waren Jahre, in denen sich die Menschen weigerten, die Fakten zur Kenntnis zu nehmen. Das ist sehr traurig.

F: Sie zitierten einmal Max Weber, der von „lästigen Fakten“ sprach.

A: Die Fakten sind unbequem, aber unbequeme Fakten sind besser als bequeme Lügen. Wir müssen lernen, uns auf gleicher Augenhöhe zu begegnen. Das würde die Welt ein bisschen besser machen. (Ende des Interviews)