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Die Financial Times hat Meister Ryuho Okawa, den Gründer und Führer von Happy Science, 1991 in einem Interview vorgestellt. Der Artikel trug die Überschrift „Japan erschafft sich einen neuen Gott“.

Happy Science entwickelte sich damals rasant. Im Jahr 1991 verzehnfachte sich die Anzahl der Mitglieder. Tokioer Taxis trugen Aufkleber, die für die Bewegung warben. Über den Einkaufszentren schwebte ein großer Zeppelin mit der Aufschrift „RO“, den Initialen von Ryuho Okawa.

Seither ist fast ein Vierteljahrhundert vergangen. Japans aktivste spirituelle Bewegung zählt mittlerweile mehr als zwölf Millionen Mitglieder in nicht weniger als 100 Ländern. Seit Meister Okawa 2010 damit begonnen hat, spirituelle Botschaften von den Geistführern großer Staatsmänner sowie von den Seelen verstorbener Politiker in hoher Geschwindigkeit zu veröffentlichen, wird er verstärkt von ausländischen Medien wahrgenommen. Die New York Times berichtete kürzlich in ihrer Online-Ausgabe über die spirituelle Botschaft, die Meister Okawa vom Geist der gerade gestorbenen Margaret Thatcher erhalten hatte. Auch die Vorträge des Meisters finden nun Beachtung.

Meister Okawa schätzt die gegenwärtige Situation von Happy Science in seinem Werk „Ein Führer für Anfänger“ wie folgt ein:

 

Aus religionswissenschaftlicher Sicht entsprechen die Lehren von Happy Science denen der Weltreligionen. Sie folgen den gleichen Prinzipien und haben die gleiche Universalität. Bei den individuellen spirituellen Botschaften ist das dagegen nicht so leicht zu erkennen, aber ebenso der Fall.

Zu den universellen Lehren gehören die „Prinzipien des Glücks“, die bei Happy Science durch den vierfachen Pfad von „Liebe, Weisheit, Selbstreflexion und Fortschritt“ repräsentiert werden. Die von Happy Science angestrebte Erleuchtung, wir sprechen von der „Erforschung des rechten Geistes“, verweist auf die Traditionen des Ostens.

Viele halten die Idee von rechtschaffener Armut für ein Hauptcharakteristikum von Religion. Happy Science dagegen hilft als zeitgenössische Religion den Menschen, finanziell und geschäftlich erfolgreich zu werden. Das deutet auf einen tiefgreifenden Wandel der Lehren hin. Dahinter steht die Überzeugung, dass reiche Anhänger mit ihren Spenden ihrer Religionsgemeinschaft bei der Rettung der Welt und der Beseitigung von Armut helfen können.

Bei meinem ersten Auftritt als „Präsident Okawa“ am 13. November 1986 kündigte ich an, in den kommenden 50 Jahren die Lehre von Happy Science auf der ganzen Welt verbreiten würde. Das wird so geschehen. Mein Ziel heute besteht darin, eine Religion zu erschaffen, die für die nächsten 3000 Jahre gilt.

In diesem Sinne denke ich, macht eine Analyse von Happy Science aus der Sicht einer religiösen Studienperspektive heraus Sinn wie folgend beschrieben zu werden: „Von Lehren, die jeden wachsenden Körper mit Wahrheit erfüllen, wird ein einziger weiter Strom heraus fließen und eine Weltreligion wird folgen. Als Antwort zu verschiedenen Ereignissen, die in dieser Richtung der Strömung geschehen sind, habe ich danach gestrebt, diesen Pfad für eine Weltreligion zu bereiten, solange Menschen über unsere Meinung aus einer perspektive der Weisheit zu informieren, um die Welt in eine bessere Richtung vorwärts zu verändern.

(Happy Science Studien aus religionswissenschaftlicher Perspektive: Ein Führer für Anfänger)

 

Meister Okawa hat mittlerweile mehr als 2100 Predigten gehalten und mehr als 1400 Bücher veröffentlicht. Seine Mission ist es, Happy Science zu einer Weltreligion zu machen. Sie rettet alle Menschen, die El Cantare als den höchsten Gott auf Erden annehmen, und macht sie glücklich.

 

Der Kampf gegen Voreingenommenheit

Heute besteht kein Zweifel mehr, dass sich Happy Science zu Japans bedeutendster Religion entwickelt hat. Der bisher zurückgelegte Weg ist aber alles andere als einfach gewesen. Meister Okawa gründete Happy Science 1986. Er wollte so die Wahrheiten verbreiten, die er bei seiner großen Erleuchtung fünf Jahre zuvor erlangt hatte.

In den Anfangsjahren gab es wohlmeinende Berichte in einigen Medien. Andere Blätter reagierten feindselig. Das hat auch etwas mit dem japanischen Bildungswesen zu tun, das seit Ende des Zweiten Weltkriegs unter den Einfluss linker Gruppen steht. In Japan existieren starke antireligiöse Kräfte. So verunglimpfte ein Boulevardmagazin Happy Science im Jahre 1991 als „krankhafte Substanz“. Mitglieder der spirituellen Bewegung hielten daraufhin Protestkundgebungen und Demonstrationen ab. Diese Ereignisse sind als „Freitag-Zwischenfall“ bekannt geworden.

Die terroristische Aum-Shinrikyo-Gruppe verstärkte die Vorurteile der Japaner gegenüber neuen religiösen Gemeinschaften. Aum- Shinrikyo gab sich als buddhistisch aus. Tatsächlich jedoch entführte und ermordete die Gruppe Menschen, die sie als Gegner betrachtete. Anhänger stellten in Geheimlabors Giftgase her. Bei einem Anschlag mit dem Giftgas Sarin auf die Tokioer U-Bahn 1995 kamen 13 Unschuldige ums Leben. 5000 Menschen erlitten Verwundungen.

Meiter Okawa hatte das bereits Jahre zuvor befürchtet. Unermüdlich und ohne an die eigene Sicherheit zu denken, hatte er öffentlich vor der Gruppe gewarnt. Im Jahr 2009 ging er in dem Vortrag „Dharma, Mut und Politik“ auf die öffentliche Reaktion auf den Aum-Shinrikyo-Terror ein.

Ich war in den Jahren 1991 bis 1995 der einzige religiöse Führer, der regelmäßig öffentlich vor Aum- Shinrikyo warnte. Damals drängte ich die Polizei, schneller zu ermitteln. Doch die Sicherheitskräfte gingen nur unentschlossen vor. Zweimal wurden Ermittlungsverfahren eingestellt, weil sich nichts Belastendes finden ließ. Unsere Organisation unterstützte die Polizei damals bei ihrer Arbeit. Als Aum- Shinrikyo Herrn Kariya entführte, half unsere Organisation bei der Aufklärung. Wir verteilten dazu eine Million Flyer.

Der Einsatz blieb nicht ohne Folgen. Aum- Shinrikyo versuchte sich zu rächen. Mehrere Überfälle auf mich schlugen fehl. Einmal kam eine Pistole zum Einsatz. Ein anderes Mal passten Anhänger einen Moment ab, wo ich im Auto saß. Sie versuchten das Giftgas VX in den Wagen zu sprühen. Eine Zeitung berichtete darüber in ihrer Abendausgabe.

Weil die Ermittlungen der Polizei nicht mit der nötigen Konsequenz betrieben worden waren, konnte Aum- Shinrikyo am Ende seinen Terrorakt auf die Tokioer U-Bahn verüben. Die U-Bahn fuhr zum Sakuradamon Tor, wo sich die Polizeistation befindet.

Diesmal kam es zu Verhaftungen. Das war dringend nötig, denn Aum- Shinrikyo bereitete bereits den nächsten Anschlag vor. Kleine, ferngesteuerte Helikopter sollten über ganz Tokio Saringas versprühen. Die Gruppe rechnete mit 500.000 bis eine Million Toten.

Wir haben den Aum-Shinrikyo-Kult fünf Jahre lang unter Lebensgefahr kritisiert, doch erhielten wir dafür keine Anerkennung. Nach den Anschlägen kippte die öffentliche Meinung endgültig. Für die Mehrheit der Japaner stand nun fest, dass Religion schlecht ist. Das Parlament überarbeitete die bestehenden Gesetze, um Religionsgemeinschaften zu mehr Transparenz zu zwingen. Mich enttäuschte, dass das Parlament mit keinem Wort unseren Kampf gegen Aum Shinrikyo erwähnte.

Auch wir gerieten in der Öffentlichkeit unter Verdacht, für Staat und Gesellschaft gefährlich zu sein. Damals zog ich mich für einige Zeit aus der Öffentlichkeit zurück, um an der inneren Konsolidierung unserer Organisation und des Haupttempels zu arbeiten. Wir schufen damals die Grundlage für unsere Aktivitäten der kommenden zehn Jahre. Von der Politik distanzierte ich mich.

Trotz Meister Okawa’s uneigennütziger Unterstützung zum Schutz vor den Handlungen Aum’s – sie wollten Völkermord verüben – litt Happy Science im öffentlichen Rampenlicht unter der Verstimmung gegen religiöse Gruppen. Deshalb fokussierte sich Happy Science auf  das Bilden einer Grundlage ihrer religiösen Aktivitäten während des folgenden Jahrzehntes.